Fürchtet euch nicht

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“
(EG 16, Jochen Klepper 1938)

Es ist, als hätte der Dichter Jochen Klepper eine Ahnung gehabt, wie es vielen Menschen jetzt im zweiten Jahr der Pandemie und nach den Überschwemmungen im Ahrtal, den Wirbelstürmen in den USA und Flüchtlingsdramen auf dem Meer geht. Dabei war es für ihn die existenzielle Bedrohung durch die Nationalsozialisten, die seine Familie, die Juden und später die Nationen Europas mit dem Tod überzogen.

Angst und Pein, Tränen in der Nacht sind vielen Menschen auch jetzt in der Weihnachtszeit nahe. „Woher kommt mir Hilfe?“ heißt es im Psalm 21. „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ ist die Antwort in diesem uralten Text.

Erste Hilfe kommt von Menschen, die sich aufmachen zu helfen, die die Augen nicht vor dem Elend anderer verschließen. Die Hilfe ist das tröstende Wort, die zupackende Hand, die konkrete Sammlung des Allernötigsten. Aber die Seele braucht mehr. Sie braucht ein Licht am Ende des Tunnels, eine Hoffnung, ein Ziel.

„Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.“

Das Foto des Wintermorgens birgt noch die Dunkelheit, aber die aufgehende Sonne wird bald das ganze Stift beleuchten, ohne dass jemand etwas dazu tun muss. Sie wird da sein, ob ich sie sehe oder noch in einem der dunklen Räume bin. Und sie wird – selbst wenn sie hinter dunklen Wolken verborgen sein sollte – nicht aufhören zu leuchten.

„Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.“

Dieses Licht der Sonne oder des Morgensterns in der Heiligen Nacht spricht immer wieder in den Texten der Bibel zu uns: es wird eine Zukunft geben, die weit über das heute und morgen hinaus reicht. Unser Landesbischof Ralf Meister schreibt: „Die Zukunft … ist glücklicherweise nicht die von uns gemachte Zukunft, sondern Gottes Morgen. Sie lebt nicht von unseren Anstrengungen und Ideen, sondern sie ist ein geistlicher Raum, schon längst gesetzt durch den Bogen, der sich von Weihnachten bis Ostern spannt.“

Der Morgenstern in der Heiligen Nacht ist ein Bild, das in uns wirksam werden kann wie viele andere Bilder, die uns das Evangelium schenkt, damit die Zuversicht wachse und das Vertrauen und der Trost.

Wir wünschen allen, die sich mit dem Stift Fischbeck verbinden und verbunden fühlen, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein besseres Jahr 2022 mit der Zuversicht, die von dem Wort Gottes ausstrahlt:

„Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren!“

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