O Rex – O König (22. Dezember)

O rex gentium
et desideratus earum,
lapisque angularis, qui facis utraque unum:
veni et salva hominem,
quem de limo formasti.

O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen,
den du aus Erde gebildet.

                                          

„Etwas Höheres als einen König kann es nicht geben“. Mit diesem Satz wird die Herrschaft eines Königs beschrieben. Zu allen Zeiten und bei vielen Völkern auf unserer Erde war dies die klassische Form der Herrschaftsausübung. Auch in unserer modernen Zeit sitzen immer noch Könige auf ihrem Thron, mal mit mehr, zum größten Teil mit weniger Macht ausgestattet. Aber meistens mit einer beeindruckend langen Liste von Vorfahren, die die Geschichte ihres Landes entscheidend prägten.

Gott als König der Völker, als Herr der ganzen Erde, ist ein uraltes Bild. Es ist eine Metapher, die die Unvergleichlichkeit Gottes hervorhebt. Der Prophet Jeremia beschreibt es so: „Aber dir, Herr, ist niemand gleich; du bist groß und dein Name ist groß, wie du es mit der Tat beweist. Dir muss man gehorchen; denn unter allen Weisen der Völker und in allen ihren Königreichen ist niemand dir gleich.“ (Jer 10,6)

Die Könige Israels wurden von Gott eingesetzt: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben.“ (Ps 2,7-8). Aber das Königtum wurde durch das babylonische Exil zerstört. Dennoch blieb die Hoffnung auf die Wiedererrichtung des Reiches unter der Herrschaft eines gerechten Königs sehr lebendig. Der Prophet Daniel beschreibt, dass alle Völker ihm dienen müssen und seine Herrschaft ewig und unvergänglich sei. Sein Reich gehe niemals unter.

Das Volk des neuen Bundes überträgt die Sehnsucht nach diesem messianischen König auf Christus:„Sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott. Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Welt.“ (Offb 15,3)

Der Schlußstein oder auch Eckstein genannt ist der Stein, der alles zusammenhält. Er ist die Garantie für Sicherheit und Stabilität des neuen Reiches. Nur Gott selber vermag diese Großtat zu vollbringen. „Darum spricht Gott der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht.“ (Jes 28,16)

Jesus selber greift dieses Bild auf und verbirgt darin den Sinn seines Kreuzweges: „Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist dies geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“ (Mt 21,42)

Die Bauleute sind die Führer des Volkes, die ihn, den kostbaren Stein, verworfen haben, indem sie ihn zum Tod am Kreuz verurteilen. Gott aber erweckt ihn durch seinen Geist zum neuen, ewigen Leben; er wird der Eckstein, der das Getrennte eint, der Himmel und Erde, Gott und Mensch wieder miteinander verbindet.

Mit der Geburt des Sohnes Gottes beginnt das Werk der Einheit und des Friedens auf Erden. Der aus Erde geschaffene Mensch wird durch Christus zu einem himmlischen Wesen.