O Oriens – O Morgenstern (21. Dezember)

O oriens,
splendor lucis aeternae,
et sol justitiae:
veni et illumina sedentes in tenebris
et umbra mortis.

O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes.

„Oriens“ ist der Sonnenaufgang, kann aber auch den Morgenstern meinen. Deshalb sprechen wir vom Orient, der Richtung und der Gegend, über der die Sonne aufgeht – wo das Licht herkommt, um sehen zu können und die Erleuchtung, die Herz und Seele so dringend benötigen.

Die Schriften der Bibel sind erfüllt von Worten des Lichtes, mit dem letztlich immer Gott gemeint ist. Im Neuen Testament wird mit der göttlichen Lichtsymbolik das Erscheinen Gottes durch die Geburt Jesu weitergeführt. Im Morgengebet singen wir den Lobgesang des Zacharias.  Darin wird auf die herzliche Barmherzigkeit und Liebe Gottes hingewiesen, „durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ (LK 1,78)

Auch die heutige Antiphon endet mit der Bitte um Erlösung derer, die in Finsternis und Todesschatten leben müssen. Dies ist ebenfalls ein starkes Bild aus dem Buch des Propheten Jesaja, in dem er verkündet: „Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“ (Jes 42,6-7)  

Ging es gestern mit dem Bild vom Schlüssel Davids um den gefangenen Menschen, so ist heute die Rede von den unerleuchteten Menschen, denen in entscheidenden Bereichen ihres Lebens Erkenntnis und Klarheit fehlt und deren Herz, Geist und Seele dunkel ist.

Christus wird in dieser Antiphone als „Sonne der Gerechtigkeit“ gepriesen, weil er uns die Augen neu öffnet für das Licht des Lebens. Wir werden in die Gemeinschaft mit Gott durch das Kommen von Christus aufgenommen. Licht und Wärme, Leben und Wachsen – all das schenkt die Sonne der Natur und den Menschen. Für die Welt des Glaubens ist Christus die Sonne der Gerechtigkeit und der Gnade.