Mein Praktikum im Stift Fischbeck

Ich heiße Judith Washof und habe von Januar bis März 2020 im Stift Fischbeck ein Praktikum gemacht. Weil ich in sehr unterschiedlichen Bereichen einen guten Einblick in die Strukturen des Stiftes und das Miteinander der Stiftsdamen und Beschäftigten gewinnen durfte, habe ich viel erlebt und gelernt.

Gemeinsamer Start in den Tag

Jeden Tag um 9 Uhr beginnt für mich der Klosteralltag mit der Mette in der Stiftskirche. Am Anfang kommt es mir sehr ungewohnt und befremdlich vor, sich gegenübersitzend im Wechsel zu singen und zu beten. Aber es wird für mich schnell zu einer angenehmen Gewohnheit, die mir große Freude bereitet: es ist ein schöner, gemeinsamer Start in den Tag.

Zwischen Laub und Ästen – Unterwegs im Garten und im Forst

Die meiste Zeit verbringe ich mit Herrn Stock. Er ist als Hausmeister zuständig für die Gärten und Gebäude, in denen es besonders viel zu tun gibt. Gemeinsam harken wir Laub vom letzten Herbst zusammen, beschneiden Bäume, nehmen den Rückschnitt von Stauden und Rosen vor, reinigen Schächte und hängen Insektennisthilfen sowie Vogelkästen auf.
Am meisten Spaß macht mir – abgesehen von den immer sehr interessanten Gesprächen nebenbei – das eigenständige Treckerfahren auf dem Hof. Die Fahrten in den Wald übernimmt Herr Stock selber, da meine Erfahrungen mit dem Trecker dazu noch nicht ausreichen. Spannend ist auch das halbwöchentliche Aufziehen der Turmuhr, welche ich später auch selbständig bedienen darf.
Ein kurzer Ausflug in den Forst mit Herrn Heepe, dem Förster, gibt mir Einblicke in dessen Arbeit und den zum Teil sehr schlechten Zustand der Bäume auf Grund der Borkenkäferplage.

„Ist das noch aktuell oder kann das weg?“ – Inventur im Stiftsladen

Im Torhaus helfe ich bei der Inventur des Lagers und des Stiftsladens. Zusammen mit Frau Thurmann, die für den Stiftsladen zuständig ist, darf ich bei der Kassenprüfung, Warenauszeichnung und Tourismusstatistik mitarbeiten. Der Austausch mit ihr macht mir riesigen Spaß und ich kann aus unseren Gesprächen sehr viel für mich persönlich mitnehmen. Frau Thurmanns Funktion ist wichtig für das Stift, da sie den Kontakt zu Besuchern und Lieferanten pflegen als auch Rücksprache mit dem Kapitel über anliegende Veranstaltungen halten muss.

Ordner über Ordner – Freude am Erbbaurecht und Archiv

Im Verwaltungsbüro werde ich durch Herrn Römbke, dem Stiftsverwalter, in die Grundlagen eines Erbbaurechtsvertrages eingeführt. Danach kann ich viele, viele Ordner nach eben diesen Verträgen durchsuchen und lesen. Was auf den ersten Blick eher trocken klingt, ist tatsächlich auch interessant, denn die Verträge sind zum Teil viele Jahrzehnte alt und besitzen schöne Siegel. Abgesehen davon baue ich mit dem Verwalter in einer leeren Wohnung eine Küche ab und als neue „Büroküche“ in einem anderen Raum wieder auf. Dadurch lerne ich z.B. mit der Stichsäge richtig umzugehen.

Im Archiv darf ich mich mit alten Bibelausgaben, Gesangbüchern, Urkunden mit kaiserlichem Siegel und Briefwechsel in alter Handschrift (Kurrentschrift) auseinandersetzen. Das ist besonders spannend und somit bekomme ich einen kleinen Einblick in die Archivarbeit des Stiftes.

„Wer darf hier wie lange liegen?“ – Friedhofsverwaltung

Die Friedhofsverwalterin und Stiftsdame Frau Menge erklärt mir alles rund um den Aufbau und die Verwaltung des Stiftsfriedhofes. Bisher wusste ich nicht, dass Baumbestattungen so begehrt und beliebt sind. Auch habe ich mich mit Ruhezeiten und deren Verlängerungen bisher nicht beschäftigt. So merke ich, wie komplex die Verwaltung all dieser Grabstätten sein kann. Gemeinsam überprüfen wir Gräber auf ihren Zustand und als sich nach der regelmäßigen Grabmalprüfung ergibt, dass einige Grabmale gesichert werden müssen, schreibe und versende ich Serienbriefe an die Angehörigen.

„Es wird nie langweilig“ – Management einer Äbtissin

Auch die äußerst vielfältigen Tätigkeiten der Äbtissin, Frau Woitack, beeindrucken mich sehr. Ich kann sie bei Unterredungen zu den Themen „Sicherheitsmaßnahmen in der Kirche“ und „Virtueller Rundgang im Stift Fischbeck“ begleiten, helfe mit bei der Gestaltung des Veranstaltungsflyers und bin bei Presseterminen dabei. In Zusammenarbeit mit Frau Woitack darf ich einen Ferienspaßtag für Kinder zum Thema „Schwalbe, Biene, Molch & Co.“ planen und die möglichen Stationen auf dem Stiftsgelände erproben und testen. Dies ist eine sehr spannende und kreative Aufgabe, die mir sehr viel Spaß macht. Zusätzlich erfahre ich, wie die Äbtissin zwischen den unterschiedlichen Organen des Stiftes vermittelt, um Konflikte zu vermeiden oder zu klären.

Ich darf eine lehrreiche und schöne Zeit im Stift Fischbeck erfahren, wozu zum Beispiel auch das gemeinsame Musizieren mit den Stiftsdamen Frau Schroeder und Frau Falke zählt.

Daher möchte ich mich bei allen Menschen des Stiftes Fischbeck herzlich bedanken.

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