Heilige Nacht – die Menschwerdung Gottes in der Gestalt eines Kindes

„Da liegt es das Kindlein, auf Heu und auf Stroh, Maria und Joseph betrachten es froh, die redlichen Hirten knien betend davor, hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.“ EG 43,3

Niemand ist in der Stunde dieser Geburt dabei gewesen und doch wird sie in der christlichen Botschaft wie eine Momentaufnahme berichtet, ausgeschmückt, besungen und zelebriert. Durchbrochen wird die Dunkelheit mit dem Licht des Sterns, der himmlischen Musik, dem Glanz der Stunde in der Finsternis von Armut, Elend und Bedrohung. Das Evangelium ist die Kunde von einem erfüllten und erlösten Leben, beispielhaft gelebt und in Wort und Beispiel Jesu den Menschen verkündet.

Das wahre Leben beginnt im Kleinen

„Leben ist der gefüllte Augenblick,
die Sekunde erwarten und die Sekunde verstreichen lassen.
Leben ist auf etwas hoffen.
Leben ist sich von Wichtigem trennen.
Leben ist Neues empfangen.
Leben ist lachen und weinen.
Erinnerungen an gestern, Gedanken an morgen.
Leben beginnt ganz klein,
es beginnt immer wieder ganz klein.“
(anonym)

Dem Lächeln eines Kindes mehr trauen als den Mächten der Welt

Was uns in den täglichen Nachrichten erreicht, macht das Herz mutlos und die Freude am Leben klein. Hätte es zu Jesu Geburt die gleiche weltweite Kommunikation gegeben, wie wir sie erleben – es hätte wahrscheinlich nicht anders ausgesehen. In diese Welt hinein senkt sich die Macht Gottes in der Ohnmacht des Kindes. Werte kehren sich um, es zählt die Wahrhaftigkeit, der Frieden, die Mitmenschlichkeit über alle Grenzen hinweg.
Wahrscheinlich wird Weihnachten heute deshalb als Fest der Liebe, der Familie und Besinnlichkeit gefeiert.
Doch die Beschaulichkeit trügt. Das Weihnachtsfest kann nicht hinwegtäuschen über die Konflikte in Familie und Gesellschafft. Im Gegenteil: gerade in der hohen Erwartung bricht sich die Wirklichkeit Bahn, wird offenbar, was uns quält.

„Wir fassen keinen anderen Gott als den, der in jenem Menschen ist, der von Himmel kam. Ich fange bei der Krippe an.“ (Martin Luther)

Es ist der Glaube, der im Kleinen etwas Großes wachsen lassen kann. Nicht im Rückzug auf das scheinbar Gewisse eröffnen sich Perspektiven, sondern im Vertrauen, dass Gottes Wort wirksam wird, wo wir es nicht vermuten, im Kleinen wie im Großen. Gehen wir in das neue Kirchenjahr und in das Jahr 2020: Leben beginnt ganz klein, es beginnt immer wieder ganz klein.

Wir wünschen allen ein gesegnetes und erfüllendes, hoffnungsfrohes Weihnachtsfest!

Die Stiftsdamen und Äbtissin des Stiftes Fischbeck