Mittagsgebet mit Landessuperintendentin in der Krypta, © FabianMittagsgebet mit Landessuperintendentin in der Krypta, © Fabian Gartmann

Auf dem Parkplatz des Stiftsgeländes in Fischbeck ist reger Andrang. Äbtissin Katrin Woitack dirigiert die ankommenden Busse und Besuchergruppen. Die Anlage mit ihrem Abteigarten, dem Kreuzgang und der Stiftskirche, einer dreischiffigen Kreuzbasilika aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert, ist nicht nur bei Pilgergruppen und Orgelkonzertbesuchern beliebt. Führungen geben einen umfassenden Einblick in die mehr als eintausend jährige Geschichte und in das heutige Zusammenleben der Stiftsdamen als christliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. „Es ist eine Gradwanderung zwischen touristischer Erschließung und der Bewahrung der Würde des Ortes“, stellt Äbtissin Woitack gleich bei der Begrüßung von Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr fest, die anlässlich der Visitation des Kirchenkreises Grafschaft-Schaumburg auch in Fischbeck haltmachte und sich über die Arbeit an diesem besonderen kirchlichen Ort informierte.

Veränderte Anforderungen an Stiftsdamen

„Früher war das Frauenstift nur adeligen Damen zugänglich. Das blieb auch nach der Reformation im 16. Jahrhundert beim Wechsel zum evangelischen Glauben so. Erst 1957 wurde die erste bürgerliche Kandidatin aufgenommen“, erzählt Woitack aus der Stiftsgeschichte. Die beurlaubte Pastorin leitet das Damenstift seit 2015 als Äbtissin und bildet mit sieben weiteren Frauen, die älteste unter ihnen ist 97, das sogenannte Kapitel, weswegen die Stiftsdamen auch als Kapitularinnen bezeichnet werden. Heutige Kandidatinnen müssen nicht mehr adelig sein. Voraussetzung ist es aber, zur evangelischen Kirche zu gehören, alleinstehend zu sein und natürlich Interesse am Zusammenleben in einer geistlichen Gemeinschaft mitzubringen. „Die heutigen Stiftsdamen sind profilierte Frauen mit interessanten Biografien, die oft auch in Führungspositionen gearbeitet haben und dann eine neue, sinnerfüllte Perspektive suchten.“, sagt die Äbtissin mit ein wenig Stolz in der Stimme.

„Bauen an der Zukunft“

Die größten Herausforderungen sind der Erhalt und die Verwaltung der Gartenanlagen und der zahlreichen Gebäude aus den verschiedensten Jahrhunderten. „Ohne Fördermittel und die Unterstützung der Klosterkammer geht es nicht“, betont Woitack. Die Gärten wie auch der zum Stiftsbesitz gehörende Forst werden ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet. Auch in Sachen Medien gehen die Stiftsdamen neue Wege. „Plakate drucken wir nicht mehr, weil wir erleben, dass Plakate nicht mehr aufgehängt und kaum gelesen werden. Wir wollen Papiermüll vermeiden und sind daher sind auch auf Facebook und Twitter aktiv.“, sagt die Äbtissin selbstbewusst und nennt das „Bauen an der Zukunft“. Kraftschöpfen können die Kapitularinnen bei den Andachten und Stundengebeten. Zum täglichen Morgengebet um 9 Uhr, der Mette, wird öffentlich eingeladen.
Zum Abschluss des Besuches konnte Regionalbischöfin Petra Bahr gemeinsam mit Superintendent Andreas Kühne-Glaser auch am Mittagsgebet im Kerzenschein in der Krypta, dem Gewölberaum unter der Kirche, teilnehmen, um das weitere Visitationsprogramm gestärkt fortzusetzen.

(Text Pastor Fabian Gartmann, Theologischer Referent der Landessuperintendentin)

 

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