Zur Weihnachtsgeschichte gehören Menschen von nah und fern. Und diejenigen, die – vielleicht abgesehen von den Engeln – die weiteste Anreise hinter sich haben, sind in dieser Zeit des Zugehens auf die Heilige Nacht besonders in unserem Blick: jene klugen und weisen Menschen, von denen man sagte, sie seien „fast wie Könige“ aufgetreten.
In den letzten Wochen haben wir darüber nachgedacht, was das Königliche sein mag … Würde und Ruhe gehören dazu, die äußeren Zeichen davon, dass ich um meine Rolle, meinen Standpunkt weiß, um meine Fähigkeiten und Gaben, und die Freiheit habe, aus diesen heraus zu handeln und zu geben. Zum Königlichen gehört aber auch das Erkennen der eigenen menschlichen Kostbarkeiten, Ecken und Kanten inklusive, sie dem hinzuhalten, der größer ist als ich und kleiner ist als ich, und zuzulassen, dass er das seine hinzulegt.
Die Ideale und Haltungen, die Königen zugeschrieben werden, haben sehr viel mit dem zutun, dessen Geburt wir in wenigen Tagen feiern werden. Dem, von dem das erste Lied in unserem Gesangbuch („Macht hoch die Tür“) singt als König aller Königreiche, Heiland, Schöpfer, Tröster, Sanftmut, Freude, Leben. Große Bilder und tiefe Weisheit stecken in diesen Worten. So groß, dass jede Erklärung irgendwie ein Stückwerk bleibt, weniger ist als das, was wir mit diesen Worten meinen. Manches bleibt unaussprechlich.
Davon scheint unser dritter Sterndeuter eine Menge zu wissen … Nehmen Sie sich wieder einen Moment Zeit, die Figur in aller Ruhe zu betrachten.


Auch dieser Sterndeuter hat wie die anderen mit geschlossenen Augen sein Gesicht dem Himmel zugewandt. Doch seine Körperhaltung ist anders. Ähnlicher als seinen Gefährten ist er Maria, mit seinem roten Gewand ebenso wie mit seiner Körperhaltung.

Doch während Maria kniend zu ruhen scheint, ist unser Sterndeuter mitten in der Bewegung festgehalten, als ob er gerade dabei ist, in die Knie zu sinken. Er beugt sich vor, folgt mit dem ganzen Körper den offen ausgestreckten Händen, auf denen sein Schatz liegt. Er hält ihn nicht fest. Und so ist auch bei ihm nicht klar: schenkt er – oder ist er gerade beschenkt worden?
Manches bleibt unaussprechlich. Im letzten unerklärlich. Nicht greifbar, erst recht nicht be-greifbar. Ein Geheimnis. Die Geschehnisse der Heiligen Nacht zu erklären, haben schon viele versucht. Sie alle eint die Einsicht: so ganz erklären können wir es nicht. Wir können uns nur vor dem Geheimnis beugen. Wie unser Sterndeuter hier. Hinnehmen, dass zwischen Himmel und Erde lebendig wird, was den eigenen Verstand übersteigt.
Diese Haltung ist die wohl königlichste von allen: genau wissen, wer ich bin, und erkennen, dass einer größer ist als ich und ich ihn nicht völlig verstehen kann. Hinnehmen, dass er sich mir in die Hände gibt und ich ihn halten und fühlen, aber nicht festhalten, nicht kontrollieren kann. Dieses Beugen vor dem Geheimnis, es hat einen Namen … Glauben. Wieder ein Wort so groß, dass auch dieses im letzten ein Geheimnis bleibt. So wie Liebe. Frieden. Hoffnung. Alles nicht ganz verstehbar, nicht fest-haltbar – doch unabhängig davon: zutiefst wahr.
Wir wünschen Ihnen einen segensfrohen und vorfreudigen vierten Adventssonntag!
Äbtissin und Kapitularinnen des Stiftes Fischbeck