Zum 3. Advent: Vom Heiligen und Empfangen

Königlich leben … In diesen Adventstagen blicken wir auf die weitgereisten Gäste an der Krippe, längst auf dem Wege, bevor das Eigentliche geschieht. Sterndeuter, Astronomen, von denen (fast) zeitgenössische Schriftsteller berichteten, sie seien „fast wie Könige“ aufgetreten. Eine spannende Beschreibung für Menschen, die zwar voller Weisheit, aber natürlich keine Herrscher waren. Doch sie hatten etwas an sich, das ihnen königliche Würde verlieh. Etwas, das mit dem scheinbar unscheinbaren echten König in der Krippe zutun hat.

In der letzten Woche haben wir mit dem blau-violett gewandeten Sterndeuter über Haltung und Ausstrahlung meditiert. Vielleicht haben Sie danach einmal ausprobiert, wie es sich anfühlt, wie er aufrecht, souverän, in sich ruhend, würdig zu stehen und zu gehen … vielleicht sind Sie Ihren Gedanken nachgegangen, wer Sie sind, was Sie trägt, mit was Sie aus Ihrem Schatzkästlein die Welt beschenken.  

Heute nun möchten wir Sie mit dem Reisegefährten dieses Sterndeuters bekannt machen. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, die Figur eingehender zu betrachten.

Dieser Sterndeuter ist die dynamischste Figur von allen in unserer Krippe. Es wirkt, als habe man ein Foto mitten in seiner Bewegung gemacht und so zugleich deren Ruhe festgehalten. Er trägt ein farbenfrohes Gewand. Anders als sein blau-violett gewandeter Gefährte hält er ein goldenes rundes Gefäß, dessen Deckel fast wie eine weitere Krone aussieht. Fest umschließen es beide Hände und sein Blick. Und man weiß nicht so genau: richtet er sich gerade auf und erhebt sein Gefäß gen Himmel, um die Gaben zu heiligen – oder beugt er sich gerade herunter, um es dem Jesuskind hinzulegen? Gibt er – oder empfängt er – oder geschieht gerade beides?

Wenn Sie mögen, schlüpfen Sie gedanklich für einen Moment in das Gewand und die Krone unseres Sterndeuters und stellen Sie sich vor, Sie sind heute als Königin, als König auf dem Weg zum Jesuskind. Und Sie haben solch ein goldenes Gefäß, halten es mit Ihren Händen und Ihrem Blick zwischen Himmel und Erde. Was wäre von Ihnen an Kostbarkeiten darin verborgen? Vielleicht Talente und Gaben, Ihre Liebe, Ihre Erfolge, das, worauf Sie stolz sind? All diese Dinge sind eines goldenen Gefäßes wahrlich würdig. Zu Ihrer Kostbarkeit als Mensch gehören ehrlicherweise auch ein paar andere Dinge. Was von Ihren Ecken und Kanten, Angewohnheiten, Fehltritten findet Platz in Ihrem goldenen Gefäß? Auch all diese Dinge sind eines goldenen Gefäßes würdig.

Stellen Sie sich nun vor, Sie erheben Ihr Gefäß zum Himmel. Zwischen all den Menschlichkeiten ist noch etwas Platz. Was wäre heute Ihr innigster Wunsch, was noch vom Himmel hinzukommen möge?

Und dann stellen Sie sich vor, dass Sie sich in den nächsten Tagen bis zur Heiligen Nacht mit viel Ruhe herunter beugen und Ihre Kostbarkeiten dem Jesuskind hinlegen … sich selbst. Was wünschen Sie sich besonders, was von Ihnen in seiner Krippe Platz finden soll?

Einen gesegneten dritten Advent wünschen Ihnen
Äbtissin und Kapitularinnen des Stiftes Fischbeck

Stift Fischbeck