Vor einer Woche haben wir Sie eingeladen, die Königsfiguren in Ihrer eigenen Krippe oder auf Abbildungen von Krippen näher anzuschauen. Wie immer die Gestaltung war: Sie werden vermutlich Figuren gesehen haben, die sich deutlich von den anderen in der Krippe unterscheiden – durch Gewänder, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Attribute. Und natürlich auch durch ihre Herkunft und Geschichte … wie die Heilige Familie, so sind auch die Weisen Reisende, Menschen auf dem Wege, herausgerufen aus ihrem bisherigen Leben an einen bestimmten Ort fern der Heimat. Zugleich tragen sie ihre innere Heimat in sich, sie bringen sich selbst mit in der Heiligen Nacht, und damit auch ihre Vergangenheit, Hoffnungen, Wunden, Haltungen.
Exemplarisch für die vielen Darstellungen der „Sterndeuter aus dem Osten“, auch „Weise aus dem Morgenland“ genannt, möchten wir Sie am zweiten Adventssonntag mitnehmen in eine kleine Meditation anhand eines unserer Könige.


Dieser Sterndeuter im violett-blauen Gewande ist der aufrechteste von allen. Ausgestreckt zwischen Himmel und Erde steht er stabil. Souverän. Schlicht. In sich ruhend. Wie einer, der weiß, wer er ist, was ihn ausmacht. Und wie einer, der weiß, was ihn trägt, worauf er hofft, wem er in der Heiligen Nacht begegnen möchte. Eine Hand ruht auf seinem Körperzentrum. Die andere reicht mit einer einfachen Geste, was er schenken kann. In der Geste öffnet er sich und zeigt: Er schenkt etwas von sich selbst. Was wohl in seinem Schatzkästchen sein mag?
Königlich und würdevoll, seine Haltung. Klar, einfach, geöffnet, stabil, ganz bei sich und bei anderen. Wie wär’s, haben Sie Lust, diese Körperhaltung in den nächsten Tagen selbst einmal auszuprobieren? Sie könnten dabei erleben, dass es ungewohnt sein mag, aber gut tut, sich zwischen Erde und Himmel aufzurichten. Den Kopf so zu halten, als ob auch Sie eine Krone trügen. Damit bewegt man sich ruhiger, gemäßigter, schlichter, eben: königlich und würdevoll. Sie könnten auch die Haltung der Arme des Königs nachahmen: sich spüren durch eine Hand auf dem Leib, und sich mit der anderen für andere zu öffnen.
Das Spannende ist: Die Haltung nur ein wenig zu verändern, kann äußerlich wie innerlich viel verändern, für uns selbst und auch das, was von uns ausgeht in die Welt. Dabei kann wachsen, was einst über die würdigen Besucher an der Krippe geschrieben wurde: „Sie waren fast wie Könige“. Vielleicht durch Haltungen wie Ruhe, Würde, ein offenes Herz, Bereitschaft zum Schenken ohne Bedingung, Geduld, Vertrauen, Klarheit. Was strahlt von uns aus in den nächsten Tagen des Advents?
Wir wünschen Ihnen spannende Entdeckungen und einen gesegneten zweiten Advent!
Äbtissin und Kapitularinnen des Stiftes Fischbeck