Zum 1. Advent: Von Weisen und Königen

Um eine wahre Geschichte gut und wahrhaftig zu erzählen, muss man immer in der Mitte beginnen. Wie die Weihnachtsgeschichte: bei Hirten, die schon seit Generationen auf den Feldern wachten, bei Menschen auf der Reise, gestrandet in einem Stall, der neues Leben notdürftig schützt, bei Weisen, die sich schon Wochen vor den Ereignissen der Weihnachtsnacht auf den Weg machten, weil sie die Zeichen des Himmels verstanden. So viele Lebensgeschichten, die miteinander verwoben sind und darauf hinweisen: die Geschichte des Einzelnen ist immer auch die Geschichte aller anderen. So viele Lebensgeschichten, in deren Mitte Wunderbares geschieht.

Eher am Rande der Weihnachtsgeschichte tauchen die Sterndeuter aus dem Osten auf (nachzulesen im Matthäus-Evangelium, Kapitel 2). Sie werden in manchen Bibelübersetzungen auch als weise Männer oder Magier bezeichnet, also als hochgeschätzte nicht-jüdische Priester und Astronomen – auf der Suche nach dem „neugeborenen König der Juden“, dem Jesuskind. Die Weisen suchen den König. Doch in unseren Krippen und in der Kunst werden seit langer Zeit sie selbst als Könige dargestellt, meist die schönsten Figuren der Krippe, viel prächtiger und eindrucksvoller als der neugeborene König. Diese Darstellung hat einen Grund: bereits ein frühchristlicher Schriftsteller schrieb, die weisen Männer seien „fast wie Könige“ aufgetreten. Nur fast – wirklich gekrönte Herrscher waren sie nicht. Und doch hatten sie etwas an sich, das ihnen königliche Würde verlieh.

Was mag das gewesen sein? Was macht eigentlich einen König oder eine Königin aus, mal abgesehen von den äußeren Insignien der Macht? In Lexika finden sich unter dem Eintrag „König“ Stichworte wie Souverän, Richter, Gesetzgeber, geistlicher Wegweiser, Identifikationsfigur, Garant der Sicherheit und Stabilität, Repräsentant, Verteidiger, Einsatz für Einheit und Zusammenhalt. Doch was steckt in und hinter all diesen Begriffen?

Lassen Sie auch uns in der Mitte der Geschichte beginnen. Gemeinsam mit den weisen Sterndeutern, die – wie wir im Advent – unterwegs sind und sich vorbereiten auf die Begegnung mit dem, der da kommen soll. Wir möchten Sie einladen, in diesen ersten Tagen der Adventszeit Ihre Krippenfiguren hervorzuholen (oder Fotos von Krippen) und die Heiligen Drei Könige eingehender zu meditieren. Was fällt Ihnen an ihnen auf, welche Gedanken kommen Ihnen dazu? Sie können diese gern mit uns teilen in den Kommentaren* und sich dort inspirieren lassen von den Gedanken anderer.

Wir wünschen Ihnen und allen, mit denen Sie sich verbunden fühlen, einen gesegneten ersten Advent und königliche Entdeckungen!

Äbtissin und Kapitularinnen des Stiftes Fischbeck


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1 Gedanke zu „Zum 1. Advent: Von Weisen und Königen“

  1. Guten Abend, natürlich war Verkündigung und Beginn einer verschriftlichten Darstellung der Ereignisse im Leben Jesu immer zeitgebunden, und so erscheint es ratsam, sich überlagernden Schichten zuzuwenden, um diese „abkratzend“ zu einer Essenz zu kommen. Ich denke mir die Geburtsnacht dunkel, kalt und sternenlos, die Hirten einfach, den Stall kalt. Wir leben so oft das „Neben uns die Sintflut“ (Lessenichs Buch so lohnend!), Für mich ist Jesus kein holder Knabe im lockigen Haar, wie sehr mich auch dss in der Kindheit gesungene Lied immer noch berührt. ich denke mir den Jesusknaben als ein Kind wie so viele in den zahlreichen aktuellen Kriegen. Die Könige? Für mich hat sie Wolfgang Borchert eindrucksvoll beschrieben. Dessen dunkle Könige tragen durch Menschen nicht mehr heilbare körperliche und seelische Wunden. Und doch, damit sind auch sie Gegenstand einer Liebe, die Geschenk und Aufgabe ist. Wolfgang Borcherts kurze Erzählung „Die dunklen Könige“ findet sich zum Beispiel im Projekt Gutenberg und auch an anderer Stelle im Netz. Ich denke, jede Meditation / Betrachtung zu den Magiern / Kömigen sollte – immer und so auch heute – Borcherts Perspektive berücksichtigen.

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