Christliche Frauengemeinschaft seit über 1000 Jahren

Das Kapitel im Jahr 2016, ©S. Menge

Das Kapitel im Jahr 2016, ©S.Menge

Das Stift Fischbeck ist seit der Gründung im Jahr 955 ein freiweltliches Damenstift und seit der Reformation im Jahr 1559 evangelisch-lutherisch. Das Damenstift wurde in früheren Zeiten in der Regel von 12 Damen bewohnt, die das Kapitel bildeten. Das Kapitel ist bis heute das beschlussfassende Organ für alle Entscheidungen bezüglich des Stift Fischbeck. Es entscheidet auch über die Neuaufnahme von Stiftdamen durch Wahl.

Derzeit besteht das Kapitel aus acht Stiftsdamen, die auch Kapitularinnen genannt werden. Sie sind ledig, verwitwet oder geschieden, haben Berufs- und Lebenserfahrung und bringen sich aktiv ein, um durch die Gestaltung des gemeinsamen christlichen Lebens und der Mitarbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Erhaltung dieses großartigen und traditionsreichen Ortes beizutragen.

Vielfältiges Leben

Die Tätigkeitsbereiche der Kapitularinnen sind vielfältig: Gästeführungen, Pilgerbetreuung, Mitarbeit im Verwaltungswesen, Tourismus- und Öffentlichkeitsarbeit, Gästebetreuung bei Konzerten und anderen Veranstaltungen, Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und vieles andere mehr.

Die geistliche Verbundenheit der Stiftsdamen findet ihren Ausdruck in der täglichen gemeinsamen Morgenandacht (Mette), in der Vesper am Mittwochabend, sowie in Wochenschlussandachten am Samstagabend und den Gottesdiensten am Sonntag zusammen mit der Kirchengemeinde.

Die Wertschätzung der Tradition vor dem Hintergrund der heutigen Lebenswirklichkeit erfordert die Bereitschaft zum offenen Gespräch, zur Konfliktfähigkeit und zu einem respektvollen Umgang miteinander, vor allem aber Lebensfreude und Humor.

Äbtissin

Leiterin des Stiftes ist die Äbtissin. Sie verantwortet wirtschaftliche und rechtliche Belange, wirkt nach außen in den Beziehungen zum Dorf und den Kirchengemeinden, pflegt Kontakte zu Verantwortlichen in Kultur und Politik, berät sich mit der Denkmalpflege und der Klosterkammer zur Erhaltung dieses hervorragenden Baudenkmals. Insofern ist das Amt der Äbtissin ein weltlicher Beruf.

Gleichzeitig wirkt sie nach innen: für ein gutes Miteinander und die Wahrung des Friedens unter allen, die im Stift wohnen und arbeiten. Sie trägt Sorge dafür, dass die Kapitularinnen in einer Lebensgemeinschaft auf christlicher Grundlage verbunden sind, die sich kulturellen, kirchlichen und sozialen Aufgaben widmet. Somit ist die Äbtissin auch geistliche Leiterin.